Martin Hinteregger

Sonntag, 21.09.2014

Mehr als nur ein Talent

Martin Hinteregger, geb. am 07.09.1992 in Feldkirchen, ist für mich der derzeit beste Innenverteidiger Österreichs. Das hat er nicht nur mit starken Auftritten beim österreichischen Meister Red Bull Salzburg gezeigt, sondern mittlerweile auch im Österreichischen Nationalteam. Seine Karriere begann im Jahr 2006, als er als Nachwuchsspieler von seinem Stammverein SGA Sirnitz (Kärnten) in die Mozartstadt wechselte. Er durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaften und entwickelte sich im zweiten Profiteam in der 2. Liga zum Führungsspieler. Bis er schlussendlich am 16. Oktober 2010 zum ersten Einsatz in der 1. Bundesliga kam.

Marktwertentwicklung

Laut Transfermarkt..de besitzt er mittlerweile einen Marktwert von € 6,0 Mio. Nachdem im Sommer 2014 schon namhafte Vereine wie Borussia Dortmund, Arsenal London, Manchester United, Juventus Turin oder Lazio Rom Interesse gezeigt haben wir sich sein Marktwert in dieser Saison nochmals steigern. Ein Verbleib bei RBS über die Saison 14/15 hinweg wäre mehr als eine Überraschung.

Leistungsdaten aus der Bundesliga

Martin Hinteregger verfügt über eine tolle Zweikampf- bzw. Kopfballstärke. Hinzu kommt seine für mich größte Waffe, die Spieleröffnung mit dem linken Fuß! An dieser können sich auch viele Top-Verteidiger dieser Welt etwas abschauen. Gesehen zuletzt im EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden. Seine größte "Schwäche" ist wahrscheinlich der rechte Fuß. Anhand der Analysen seiner 7 Einsätze in der Österreichischen Bundesliga werfen wir einen genaueren Blick auf seine Leistungsdaten.

Erfolgreiche Pässe (in die Tiefe)

Bei der ersten Saisonniederlage von RB Salzburg am 30.08.2014 gegen Sturm Graz (2:3) konnte Martin Hinteregger mit tollen 80 gespielten Pässen (siehe Bild (1) Analyse links) einen Topwert erzielen. Der Durchschnitt seiner Mannschaft lag bei 55. Das zeigt schon wie wichtig er für den Spielaufbau des Salzburger Spieles ist. Das Bild (2) rechts zeigt seine extrem genauen Pässe in die Tiefe im Spiel gegen die Admira vom 16.08.2014. Natürlich hängt die Art der Pässe von der Philosophie der Mannschaft und in weiterer Folge logischerweise auch vom Gegner ab. Trotzdem kann man anhand der unten ersichtlichen Vergleiche mit anderen Innenverteidigern der österreichischen Bundesliga einige Erkenntnisse gewinnen.

(1) 30.08.14 Sturm Graz, (2) 16.08.14 Admira Wacker

(3) 20.07.14 Grödig, (4) 23.08.14 Wr. Neustadt, (5) 09.08.14 Sturm, (6) 09.08.14 Altach

Auf den ersten Blick schauen alle Bilder gleich aus - viele weiße Quadrate und grüne Pfeile kreuz und quer. Entscheidend sind genau diese Pfeile: lang (diagonal oder vertikal) in die gegnerische Hälfte. Bild (1) Hinteregger hatte nicht nur die meisten Pässe (80) gespielt, sondern mit vielen spieleröffnenden Pässen unzählige Angriffe seiner Mannschaft eingeleitet. Bild (2) zeigt seine Qualitäten am besten: Von allen Pässen ist lediglich ein einziger Querpass dabei!! Die durchschnittliche Passlänge beträgt hier geschätzte 25 Meter!  Bevor ich nun zu den anderen Beispielen komme sei eines noch erwähnt: Auch ein Hinteregger zeigt einmal schlechtere Spiele, auch da schaut die Analyse nicht immer so toll aus. Diese Beispiel sollen nur zeigen dass er sich in "Normalform" vom Rest der Liga deutlich abhebt. Bild (3) zeigt Christian Ramsebner von der Wiener Austria im Spiel gegen Grödig. Man blicke nur auf die Pfeile, viele "Alibipässe" quer nach links bzw. zu Goalie Lindner zurück, oder zum vor ihm positionierten 6er. Bild (4) zeigt Christoph Schösswendter von der Admira im Spiel gegen Wr. Neustadt. 2 weite Diagonalpässe nach rechts, ansonsten viele kurze Pässe in der eigenen Hälfte. Bild (5) zeigt Mario Sonnleitner von Rapid Wien im Spiel gegen Sturm Graz. Er zwar mit vielen Ballkontakten, darunter aber zu 90% nur kurze Sicherheitspässe. Zum Abschluss Michael Sollbauer vom WAC im Bild (6). Sehr wenige Ballkontakte, kaum ins Aufbauspiel eingebunden. 95% nur Querpässe ohne Raumgewinn für seine Mannschaft.

FAZIT: Die Analysebilder anderer Innenverteidiger dieser Liga schauen alle sehr sehr ähnlich aus. Viele kurze Sicherheitspässe zum vor ihnen positionierten 6er oder quer zum anderen Innenverteidiger. Auch dabei sind einige Pässe zum Goalie zurück. Und das Wichtigste: Kaum Pässe in die gegnerische Hälfte!

Fehlpässe

Die oft riskante Spieleröffnung von Martin Hinteregger bringt auch ein gewisses Risiko mit sich. Eine schlechte Bewegung seiner Mitspieler oder gutes Verschieben bzw. Zustellen der Räume des Gegners verursachen auch den einen oder anderen Fehlpass im Spielaufbau. Das zeigen auch die unten angeführten Grafiken.

Gleich auf den ersten Blick sieht man, dass Hinteregger nur dann Fehlpässe unterlaufen, wenn er Risiko nimmt. Risiko heißt, per druckvollem Pass, zumeist mit seinem starken linken Fuß, vertikal oder diagonal in die Spitze zu spielen! Die durchschnittliche Passlänge beträgt hier, wie auch oben in Bild (2), ca. 30 Meter! Der große Unterschied zu allen anderen Innenverteidigern der österreichischen Bundesliga sind die Zuspiele weit in die gegnerische Hälfte hinein! Gegen Sturm Graz, Bild (1), spielte er 13 Pässe in die gegnerische Hälfte. Gegen Wr. Neustadt, Bild (2) waren es 12. Durch diese Art und Weise unterlaufen ihm auch logischerweise mehr Fehlpässe als anderen Spielern. Als Trainer muss man sich entscheiden: Will man einen "Alibikicker" und ein Quergeschiebe hinten, oder einen Spieler der sich in den Aufbau maßgeblich mit einschaltet?

(1) 30.08.14 Sturm Graz, (2) 26.07.14 Wr. Neustadt

(3) 27.07.14 Grödig, (4) 27.07.14 Grödig, (5) 03.08.14 WAC, (6) 03.08.14 WAC

Im Vergleich dazu die Innenverteidiger des SK Sturm Graz und des SV Grödig. Sofort auffallend ist dass ihnen deutlich weniger Fehlpässe unterlaufen, dafür sie aber kaum Einfluss auf den Spielaufbau ihres Teams haben. Alexandar Todorovski und Michael Madl hatten insgesamt nur 6 bzw. 5 Fehlpässe. Matthias Maak und Maximilian Karner spielten 9 bzw. 7 Fehlpässe. Allesamt ca. 10 Fehlpässe weniger als Martin Hinteregger!

FAZIT: Die Grafiken zeigen eigentlich Alles. Hinteregger spielt 95% all seiner Fehlpässe weit in die gegnerische Hälfte. Fehlpässe auf kurzer Distanz sind bei ihm nahezu ausgeschlossen. Alle anderen Innenverteidiger machen zwar weniger Fehler im Spiel, dafür ist auch deren Passlänge um geschätzte 15 Meter geringer!

Heatmap

Die sogenannte "Heatmap" zeigt die Bereiche auf dem Spielfeld, welche von den Spielern während des Spieles abgedeckt wurden. Die Darstellung basiert dabei auf registrierte Spieleraktionen mit dem Ball.

Die Heatmaps von Martin Hinteregger zeigen wie viele Ballkontakte er als Innenverteidiger im Spiel von Salzburg hat. Hier die Beispiele der Partien gegen WAC und Sturm Graz, wobei RBS jeweils mit 73% Ballbesitz klar das Spiel dominierte. Natürlich kommt ihm der hohe Ballbesitz seiner Mannschaft zu Gute. Ich habe aber genau aus diesem Grund beim Vergleich der anderen Innenverteidiger kein Spiel gegen Red Bull Salzburg ausgewählt. Das hätte die Analyse sicherlich verfälscht, da man gegen RBS in der Regel sehr defensiv agiert und kaum sein eigenes Spiel durchziehen kann. Abgesehen davon ist diese Grafik trotzdem mehr als beachtlich.

(1) 14.09.14 WAC, (2) 30.08.14 Sturm Graz

(3) 16.08.14 Rapid, (4) 09.08.14 Admira, (5) 24.08.14 Austria, (6) 24.08.14 Rapid

Hier der Vergleich mit 4 weiteren Innenverteidigern der österreichischen Bundesliga. Wie schon oben erwähnt, der Vergleich hinkt ein wenig da die Mannschaften der hier angeführten Spieler in der Regel deutlich weniger Ballbesitz haben als RBS. Daher schaut auch deren Heatmap "schlechter" aus. Jan Zwischenbrugger im Bild (3) hatte im Spiel gegen Rapid mit seiner Mannschaft 30% Ballbesitz. Harald Pichler im Bild (4) immerhin 45% im Spiel gegen Admira. Und nun zum vergangenen Wiener Derby. Hier hatte die Wiener Austria mit 52% Ballbesitz knapp die Nase vorne. Maximilian Hofmann, Bild (5),  und Vhance Shikov, Bild (6),  mit den quasi gleichen Voraussetzungen.

FAZIT: Hätten die anderen Mannschaften den gleichen Ballbesitz wie RBS, auch dann hätte Martin Hinteregger bei der Heatmap klar die besseren Werte. Während die meisten anderen Innenverteidiger in der eigenen Hälfte agieren, weist Hinteregger auch viele Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte auf.

Zahlen und Fakten

Alle angegebenen Werte sind Durchschnittswerte, die Werte in () sind die Bestwerte. Für die Statistik herangezogen wurde sämtliche Spiele (7 Runden) der österreichischen Bundesliga bis exklusive 21.09.2014.

  • 52,71 angekommene Pässe pro Spiel (80 gegen Sturm Graz)
  • 71% seiner Pässe kommen beim Mitspielern an (90% gegen WAC)
  • 29% Fehlpässe, aufgrund seiner riskanten Spieleröffnung
  • 64,04% Pässe in die gegnerische Hälfte (90% gegen WAC)
  • 10,43 lange Pässe pro Spiel (14 gegen Ried)
  • 42,29 kurze Pässe pro Spiel (68 gegen Sturm Graz)
  • 10,43 Zweikämpfe pro Spiel gewonnen (17 gegen Ried u. Wr. Neustadt)
  • 5,00 Zweikämpfe pro Spiel verloren (6 gegen Ried)
  • 6,86 Kopfbälle pro Spiel gewonnen (14 gegen Wr. Neustadt)
  • 2,00 Kopfbälle pro Spiel verloren (6 gegen Ried)
  • 5,14 Ballsicherungen pro Spiel (13 gegen Sturm)
  • 2,71 Tackles pro Spiel (5 gegen Ried)
  • 4,43 klärende Aktionen pro Spiel (10 gegen Ried)
  • 1,29 x pro Spiel gefoult worden (3x gegen Rapid)
  • 1,43 Fouls pro Spiel (3 gegen WAC)
  • 0,29 gelbe Karten pro Spiel (1 gegen Admira u. WAC)
  • 0,29 Assists pro Spiel (1 gegen Rapid u. Ried)
  • 0,86 Torschussvorlagen pro Spiel (2 gegen Rapid)

FAZIT: Auch wenn er heute am Sonntag, 21.09.2014, im Spiel gegen die Wiener Austria (2:3 Niederlage), nicht seinen besten Tag erwischte und mit gelb/rot vom Platz musste, er ist und bleibt für mich der momentan beste Innenverteidiger Österreichs.

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