Ergebnisse

(Seite 93 bis 169 - Dr. Cordes)

Jetzt hier alle Ergebnisse dieser Arbeit zu präsentieren würde eindeutig den Rahmen sprengen. Daher habe ich mir ein paar Teilbereiche herausgesucht.

Konzeption beim FC Augsburg (=Ist-Zustand) 

Der Trainerphilosophie kommt beim FCA in Bezug auf die Strategieentwicklung eine grundlegende Bedeutung zu. In beinahe jedem Arbeitsbereich des Trainers spielt die Philosophie in Bezug auf die bevorzugte Spielweise und das Spielverständnis eine große Rolle. Zum Beispiel bei den Transfers: Der Trainer wählt die Spieler neben ihren technischen Fertigkeiten auch aufgrund ihrer jeweiligen taktischen Fähigkeiten und deren Passgenauigkeit für das favorisierte eigene Spielsystem aus. Auch die Sozialverträglichkeit wird berücksichtigt.

Der Gegneranalyse kommt eine herausragende Bedeutung zu. Der kommende Gegner wird beim FCA in der Regel in zwei Spielen, einem Heim- und einem Auswärtsspiel, beobachtet. Von einem Beobachter live vor Ort und auch zusätzlich von einem Analysten über das TV Bild. Danach werden alle schriftlichen Aufzeichnungen zusammengetragen und eine Video-Analyse erstellt. Diese wird den Spielern zumeist am Abend vor dem Meisterschaftsspiel gezeigt.

Neben der Analyse des Gegners spielt auch die Eigenanalyse eine entscheidende Rolle. Diese ist beim FCA fester Bestandteil bei der Nachbetrachtung eines Spieles. Nach dem zusammentragen sämtlicher Infos wird erneut eine Video-Analyse zusammengestellt. Die wird dann immer vor dem ersten Training, also unmittelbar nach einem Spiel, der Mannschaft präsentiert.

Bei der Strategiewahl selbst versucht der Trainer auf Basis von Erkenntnissen aus der Gegner- und Eigenanalyse, seiner Trainerphilosophie konforme, geeignete Spielstrategie zu entwickeln. Abfangen potentieller Stärken des Gegners,  und Nutzen potentieller Schwächen des Gegner zum eigenen Vorteil. Meistens werden auch mehrere Strategien entwickelt, und erst kurz vor Spielbeginn die passende ausgewählt.

Ergebnisse der Evaluation

Hier ein Beispiel des pre-season Interviews, bei dem die Fragestellung "Was beinhaltet eine Spielphilosophie und wie wird sie im speziellen Fall artikuliert und kommuniziert?" durchleuchtet wurde:

Tab.2 - Zusammenf. Inhaltsanalyse des pre-season Interviews
Tab.2 - Zusammenf. Inhaltsanalyse des pre-season Interviews

Es wurden alle Interviews miteinander verglichen und analysiert. Insgesamt wurden in der Saison 2009/10 58 Interviews, 31 Scoutingberichte der kommenden Gegner sowie 34 Beobachtungsbögen ausgewertet. Aufgrund der enormen Datenmenge und der unterschiedlichen Datenarten wurden auch verschiedene Auswertungsverfahren gewählt.

 

Ergebnisse der Interviews

 

Hier ein Beispiel des pre-season Interviews, bei dem die Fragestellung "Was beinhaltet eine Spielphilosophie und wie wird sie im speziellen Fall artikuliert und kommuniziert?" durchleuchtet wurde: Betrachtet man die ermittelten inhaltlichen Kernbereiche (K) folgend sprachlich genauer, fällt auf, dass der Trainer vorrangig positiv attribuierte Adjektive, die die gewünschte Spielweise beschreiben, verwendet. Weiters fällt auf dass der Trainer nur die Begriffe "Offensive" und "Defensive" verwendet. Beim FCA wird der eigene Ballbesitz als Offensive bezeichnet, während sich die eigene Mannschaft bei Ballbesitz des Gegner in der Defensive befindet. Zudem beschreibt er die Offensive sehr detailliert, im Vergleich zur Defensive. Das verstärkt die Ausführungen zum gewünschten offensiven Spielverhalten und zeigt die hohe Bedeutung der Offensive für den Trainer.

 

Nach diesem Muster wurde auch das pre-season Interview analysiert.

Beobachtungssystem

Abb.19 - Ballgewinne in der Saison 09/10 in den einzelnen Spielfeldbereichen
Abb.19 - Ballgewinne in der Saison 09/10 in den einzelnen Spielfeldbereichen

Für die Erfassung der Orte der jeweiligen Spielsituationen wurde ein Spielfeldmodell erstellt, welches das Spielfeld zur genauen räumlichen Beschreibung in 16 Teile unterteilt. So werden als ein Beispiel, wie im Bild rechts ersichtlich, die Ballgewinne analysiert. Hier zeigt sich ein starkes defensiv-offensiv Gefälle. Was aber noch nicht wirklich überraschend ist da hier die meisten Zweikämpfe der angreifenden Mannschaft verloren werden. Betrachtet man Abb.20 (Seite125 - Dr. Cordes) so können auch Rückschlüsse über die zeitliche Verteilung der Ballgewinne getroffen werden.

Abb.21 - Die ersten drei Folgehandlungen nach BG in der Saison 09/10 (PV=Pass nach vorne, Dr=Dribblung, PL=langer Pass, PQA/PQI=Querpass nach außen/innen, PR/PK/PS - Kurzpass, Rückpass, Steilpass; TS=Torschuss
Abb.21 - Die ersten drei Folgehandlungen nach BG in der Saison 09/10 (PV=Pass nach vorne, Dr=Dribblung, PL=langer Pass, PQA/PQI=Querpass nach außen/innen, PR/PK/PS - Kurzpass, Rückpass, Steilpass; TS=Torschuss

Diese Statistik zeit die ersten 3 Folgehandlungen nach Ballgewinn (BG). Auffällig hierbei ist, dass der direkte Pass nach vorn in allen 3 Folgehandlungen die meist gewählte Aktion nach dem BG darstellt. Dies zeigt zusammen mit der geringen Rückpassquote eindrucksvoll die offensive Ausrichtung der beobachteten Mannschaft. Interessant scheinen für Dr. Cordes die Werte des Torschusses, da sie als einzige Kategorie in der 3. Folgehandlung am meisten Anwendung finden. Dies zeigt aber auch,  dass je Spiel mind. ein Torabschluss bereits nach der 2. Folgeaktion erfolgte, was abermals die schnelle, offensive Spielweise belegt.

Betrachtet man die Torschüsse als Teil des Ergebnisses der BG etwas genauer, wird aus Abb.22 (Seite127) ersichtlich, dass über die gesamte Saison hinweg 14,6% der erhobenen BG zu einem Torabschluss führten.

Selbige Analysen wurde auch für sämtliche Ballverluste (BV) durchgeführt! In weiterer Folge wurden BG und BV miteinander verglichen und ausgewertet. Hier sind grenzenlose Anylsen möglich.

Zusammenhang zw. Spielstrategie und Trainerphilosophie

Einige Absätze von Dr. Cordes:

 

"Es fällt jedoch auf, dass auch einige der einzelnen Spielstrategien teilweise recht deutlich von der Philosophie des Trainers abweichen. Diese Abweichungen kamen zu Beginn der Saison sehr viel häufiger vor als zum Ende. Besonders die Auswärtsstrategie wurde in der Hinrunde des Öfteren abweichend zur Spielphilosophie gewählt, während in der Rückrunde auch bei Auswärtsspielen fast ausschließlich die Spielphilosophie als Spielstrategie vom Trainer vor dem Spiel ausgegeben wurde.

 

"Der Trainer betont jedoch, dass es ihm nur darum geht, dass seine Spieler wissen, was im Wettkampf auf sie zukommt, denn die eigene Spielstrategie wird trotz des Wissens über den Gegner nur in ganz bestimmten Einzelfällen detailliert auf den kommenden Gegner abgestimmt.

 

"Das Spielsystem des Gegners hingegen ist von entscheidender Bedeutung. Hier wird fast ausschließlich versucht, ein deckungsgleiches System aufzustellen, um nicht unnötig verschieben zu müssen und dem Gegner so Raum und Zeit zu verschaffen.

 

"In der Hinrunde wurde 7x eine Strategie abweichend von der Spielphilosophie gewählt, während in der Rückrunde lediglich 5x abweichend gespielt wurde. Eine mögliche Erklärung ist die Tatsache, dass sich der Trainer und auch die Mannschaft nach Saisonbeginn erst einmal selbst leistungsmäßig in der Liga einordnen mussten. Zudem verpflichtete der untersuchte Verein in der Vorbereitung auf die neue Saison viele neue Spieler, die es in das eigene System einzubinden galt.

Zusammenhang zw. pre-match Interviews und Ballgewinnen (BG) im Spiel

Abb.32 - BG je Spiel im Durchschnitt nach Strategieansagen in Spielviertelstunden
Abb.32 - BG je Spiel im Durchschnitt nach Strategieansagen in Spielviertelstunden

Im Zusammenhang mit den Aussagen aus den pre-match Interviews (vor den Spielen) und den Ballgewinnen im Spiel lassen sich interessante Zusammenhänge aufzeigen. Betrachtet man die BG in Spielen, in denen die Strategieansage "Offensivpressing spielen, frühe Ballgewinne erzielen" ausgegeben wurde mit Spielen, in denen keine besondere Vorgabe des Pressings gemacht wurde, so zeigt sich, dass auf den ersten Blick kaum Unterschiede sichtbar sind!

Provokativ darf damit die Frage erlaubt sein, warum gibt der Trainer überhaupt verschiedene Strategien an oder können sich die Spieler nicht umstellen?

Zusammenhang zw. Strategieumsetzung und Tabellenplatz

Abb.36 - Strategieumsetzung "Tiefe vor Breite" im Saisonverlauf mit Tabellenplatz
Abb.36 - Strategieumsetzung "Tiefe vor Breite" im Saisonverlauf mit Tabellenplatz

Beim FC Augsburg scheint das Spielsystem des Trainers mit Fortdauer der Saison besser verstanden worden zu sein. Zumindest die Ansage, stets nach vorne spielen zu lassen und "Tiefe vor Breite" zu suchen, ist im Laufe der Saison konsequenter umgesetzt worden (siehe Bild rechts). Wurden zu Beginn der Saison in nur knapp 50% der Ballgewinne die Strategievorgabe umgesetzt (rot dargestellt), so zeigt die Abbildung, dass zum Ende der Saison in ca. 70% der Ballgewinne die Strategievorgabe Berücksichtigung fand. Diesen Trend zeichnet auch die rote Trendlinie in der Abbildung nach. Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang die Platzierung der Mannschaft in der Tabelle (blau dargestellt) über den Saisonverlauf, die sich mit zunehmender Einhaltung der Strategievorgabe verbessert.

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Mi, 04. Jänner 2017

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